Ich bin ein großer Twin Peaks Fan. So ganz genau warum, weiß ich selbst nicht so genau. Denn nicht selten ist die Serie extremer Kitsch, mitunter ultraanstrengend, und alleine die dritte Staffel zieht sich in vielen Episoden wie ein Lastwagen voller Kaugummi. Der Typ, der minutenlang ne Bar mit nem Besen fegt. ALTER! Aber Nine Inch Nails macht alles wieder gut. Und Cooper, und Audrey, und ach scheiße, in Twin Peaks fühle ich mich zuhause.
| Stell dir vor, es wären Drillinge |
Ich liebe die Kunst von David Lynch. Ich gestehe, ich verstehe, wenn überhaupt, nur die Hälfte, aber darum geht es bei Lynch auch nicht. Sein Werk will gefühlt werden. Klar kann man sich mit Metaphern und Analysen auf der eigenen intellektuellen Geilheit einen runterholen, aber du kannst dir auch einfach von ihm dein Hirn durchkneten lassen und es einfach nur wahrnehmen. Das liest sich jetzt wie ein trockener Glückskeks-Spruch, und die sind zwar voll doof, aber es hindert sie trotzdem niemand daran, die Wahrheit zu sagen.
Vieles für mein Schreiben habe ich mir schamlos, skrupellos, arschgeigenmäßig bei Mr. Blue Velvet abgeguckt. Ich kann es zwar nicht so genial wie er, aber das macht ja nichts. Ich mag das Skurrile, das Komische im Tragischen. Den Brainfuck.
Der Unterschied, der meine Texte vom stumpfen Folterporno unterscheidet, liegt im Witz. Eine gute Pointe hier, eine Wortspielerei da, und schon ist das Grauen erträglicher, denn mit Humor geht alles leichter, selbst Beerdigungen.
Sie sind zwar verdammt traurig, aber das weiß man ja auch so, und dort dann einen Witz unterzubringen, nicht, weil man so unfassbar lustig sein will, sondern mehr als Haltung dem Leben gegenüber, als freundliches Angebot. Wenn man das zusammen anerkennt, dann wird’s gut.
Nicht jeder Witz funktioniert, viele gehen daneben, aber gemeinsam Lachen ist auf jeden Fall besser, als dem Sargträger dann doch noch mitzuteilen, dass sein Hosenstall seit heute Morgen offen steht.
| Jeden Tag, einmal am Tag, gönn dir ein Geschenk. Plane es nicht. Warte nicht darauf. Lass es einfach geschehen. |
Ich nehme mein Schreiben sehr ernst, setze mich niemals leichtfertig an einen Text, aber ich will trotzdem meinen Spaß haben. Und ich will, dass du beim Lesen Spaß hast.
Eigentlich gibt es für mich nur drei goldene Regeln beim Schreiben. Die habe ich mir von Billy Wilder geklaut und jetzt kann er sich auch nicht mehr wehren. Die Regeln lauten:
- Du sollst nicht langweilen,
- du sollst nicht langweilen,
- und du sollst nicht langweilen!
Ich erinnere mich an mein Praktikum in einer Filmredaktion. Das war so ein „Wir wissen alles besser“-Filmkritikblättchen mit aufgesetztem Anspruch. Dort wurden nur Arthouse und besonders sperrige Kunstfilme besprochen. Ich durfte mir einen Film aussuchen und eine Probe-Rezension schreiben.
Der Chefredakteur, ein Mann mittleren Alters mit extrem toller Frisur, sagte dann zu mir, dass ich durchaus Talent durchscheinen ließe, mein Text NATÜRLICH aber ein Totalschaden und in seinen Augen auch eine Beleidigung sei.
Ich erinnere mich genau an diesen einen Satz. Ein Satz, der mich sogar jetzt um 23:23 Uhr, kein Scheiß, am Dienstag, den 21. Oktober verfolgt, und er lautet so: „Wenn Sie einen Text schreiben und Sie beim Schreiben lachen müssen, dann löschen Sie die Stelle unverzüglich, denn niemand außer Sie selbst wird darüber lachen können.“
Und seitdem kichere ich mir beim Texten den Arsch weg, denn was für eine elitäre Fuckhaltung ist das denn bitte?Falls du einen Rat von einem Schmuddelautor vertragen kannst, dann scheiß bitte auf alle Regeln. Schreib erst mal ab, schreib erst mal nach, und die eigene Stimme kommt dann schon von alleine. Musikbands covern auch erst mal ihre Helden und Vorbilder, da ist nichts Falsches dran, und dann schreib und schreib und schreib. Und nicht vergessen: rauszoomen und sich das große Ganze ansehen, sich einen Überblick verschaffen, Distanz zulassen, sich nicht so wichtig nehmen. Und immer hübsch Absätze machen. Ich liebe Absätze.
Und einen Absatz später erzähle ich dir von meinem Album der Woche. Wolf Alice mit ihrem Longplayer “The Clearing”. Was für eine geile Band.Derzeitige Lieblingstracks auf der Scheibe sind: Bloom Baby Bloom, Thorns, Leaning Against The Wall, Safe in the World und eigentlich alle.
Ich habe mir Life of Chuck von Stephen King ausgeliehen und werde ihn mir aller Wahrscheinlichkeit nach am Freitag reinziehen und endlich wieder eine Tüte Chips aufreißen, meine Nase reinstecken und inhalieren.
Ich habe mir nämlich unter der Woche ein Chips-Verbot auferlegt. Das hatte nämlich zuletzt ein bisschen Überhand genommen.
Ich habe jeden Abend eine Paprika-Tüte aufgemacht und da ich jede Form von Suchtverhalten ablehne, HALT, das stimmt nicht, aber es klang so gut in meinem Kopf, jedenfalls sind so viele Kartoffelchips doch ein bisschen „too much“, wie wir Franzosen sagen. Daher die Einschränkung und das Beste hoffen.
| Akte X |
Ich lese derzeit überhaupt nichts, weil ich selbst dafür zu müde war, denn ich habe mir in letzter Zeit meinen Schlafrhythmus total versaut und muss dringend wieder gegensteuern.
Ich brauche zum Schreiben, man will es kaum glauben, Ruhe. Vor allem in meinem Kopf. Aber der Alltag, viel Herumfahren und Verpflichtungen haben mich schreibend in die Nacht verbannt.
Denn in der Nacht ist es ruhig, niemand will etwas von dir, und es ist gemütlich, und der Kaffee ist nur ein ganz kleines bisschen zu stark, aber das macht nichts, denn die Finger fliegen über die Tastatur für den nächsten verstörenden Griff in deine Unterwäsche. Du hast doch welche an?
So kein Bock mehr, vielen lieben Dank, bis nächste Woche.
Have Fun ♥️